603QM

Reprogramming the machine hall, Technical University Darmstadt, Germany, 2003

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1966 wurde die TU Maschinenhalle für den Fachbereich Maschinenbau als Forschungs- und Werkstattlabor gebaut. Von 1970 an wurde sie als Lager für die Beschaffungsstelle der TU genutzt. 1980 wurde ein schalldichter Betonraum zum Test für Maschinenakustik in die Halle eingebaut. Seit 1998 steht die Halle leer. Eine Gruppe von Studenten, der Arbeitskreis Stöferle, hat sich für den Erhalt der vom Abriss bedrohten Halle eingesetzt und zusammen mit dem Universitätspräsidium das inhaltliche Programm für einen multifunktionalen Veranstaltungsort der TU entwickelt. Für die Halle ist ein Nutzungskonzept vorgesehen, über das interne universitäre Veranstaltungen wie Workshops, Seminare, Vorlesungen mit öffentlichen Veranstaltungen sowie Ausstellungen, Symposien, Vorträge, Theater-, Filmaufführungen gekoppelt werden. Mit dem integrierten Veranstaltungsprogramm wird eine informelle Übergangszone zwischen dem universitären und dem öffentlichen Raum definiert.
Die Halle steht in der Alexanderstraße neben dem Präsidialgebäude der TU Darmstadt an der Grenze zwischen innerstädtischen Universitätscampus und dem öffentlichen Raum der Stadt Darmstadt. Das Gebäude beinhaltet, bedingt durch die weitgespannte Gebäudekonstruktion, über nutzungsunspezifische Raumsequenzen. Die Halle gliedert sich in Maschinenraum und Maschinenhalle. Sie verfügt, zusammen mit dem im Norden vorgelagerten Terassenbereich, über eine Nutzfläche von 603 Quadratmeter. Das ungeheizte mit Einfachverglasung ausgestattete Gebäude befindet sich in einem rudimentären Zustand. Seine Revitalisierung ist in einem ausgewogenem Verhältnis von monetärem zu ökologischem Aufwand zu beurteilen. Mit Hilfe gezielter baulicher Eingriffe lassen sich die Nutzungspotentiale der Halle zu einem beliebig verschaltbarem Raumkontinuum erweitern.
Eine konventionelle Vorgehensweise, d.h. der Abriss des obsoleten Gebäudes, wird übersetzt zu einer veränderten Strategie, mit der über die Analyse der vorgefundenen Baustruktur die Halle als eine wandlungsfähige und damit als eine ökologisch hochwertige Ressource beurteilt wird. Gleichzeitig werden neue Anforderungen an die Nutzer und damit deren Beurteilungsfähigkeit hinsichtlich gewünschter Nutzungen, respektive deren Aneignungsprozesse, gestellt. Die Nutzer selbst müssen den Grad ihrer Aktivitäten beurteilen und steuern und sich den räumlichen Vorgaben anpassen. Die ungeheizte Halle wird mit Nutzungen in Beziehung gebracht, die den Vorgaben der Halle entsprechen und nicht umgekehrt. Nutzungen können nebeneinander aber auch gemeinsam stattfinden.
So ist es denkbar dass im Winter Aktivitäten in der Halle stattfinden, die aufgrund der körperlichen Betätigungen gut funktionieren, oder im Sommer die Nutzungen aufgrund thermischer Überhitzung in den Außenraum verlagert werden. Somit werden bauliche Mängel, wie die Einfachverglasung oder der fehlende Sonnenschutz akzeptiert und in das Konzept des minimalen Standards integriert. Die Entwurfsstrategie verfolgt das Ziel einer maximalen Verschaltbarkeit der Halle und schafft damit Raum für unterschiedlichste, den jeweiligen Anforderungen angepasste Aktivitäten. Für die Reaktivierung der ehemaligen Maschinenhalle wurde ein Bausatz anpassungsfähiger Bauelemente entwickelt. Eine industriell vorgefertigte, sechs Meter breite, in die Halle eingeschobene Stahlbox, stellt den barrierefreien Zugang zur Halle her.
Drei, in einer Flucht, hintereinander geschaltete 5-flüglige Falt- Schiebetormodule sind in der Box, in die Hallenzwischenwand und in die Nordfassade integriert und bilden den jeweiligen, den Anforderungen entsprechenden, räumlichen Abschluss. Das Öffnen der Halle zu einer Durchgangspassage zwischen der Stadt (Alexanderstraße) und dem Universitätscampus ist damit ebenso herstellbar, wie ihre Trennung in akustisch autonome Raumbereiche. Acht rollbare, verschieden ausgestattete Containermodule werden dem Raum als mobiles Werkzeug zur Verfügung gestellt. Sie sind räumlich unterschiedlich konfigurierbar und nehmen Funktionen wie Garderobe, Teeküche, Kasse, Bar auf. Gleichzeitig beinhalten sie die notwendige technische Infrastruktur wie Strom- Zu- und Abwasser. Über einen in verschiedenen Höhen hergestellter skalierter Satz von 54 Podestflächen, lässt sich eine vielschichtig nutzbare Hallentopograhie von Bühnen-, Sitz, Liegeflächen, Arbeitstischen und -Bänken konfigurieren.